Silvester in Reykjavík ist ziemlich verrückt!

Wenn man in einer Kleinstadt in Deutschland aufwächst, in der sich die Einwohner Jahr für Jahr nach Weihnachten mit Raketen und Böllern im Überfluss versorgen, um vom Balkon, der Terrasse oder der Straße aus ihre eigene großstädtische Party zu machen, denkt man eigentlich, man ist ein ziemlicher Profi im Feuerwerk-Geschäft.

Doch falsch gedacht: Ich kannte kein Feuerwerk, bevor ich nach Island kam!

Island-Kuriosität Nr. 2: Feuerwerk in Island

Isländer lieben Feuerwerk. Ich kann es nicht erklären und irgendwie kann es keiner so recht, aber Fakt ist, dass die Isländer über das Jahr hinweg Unmengen für Feuerwerk ausgeben, es sich bei diversen größeren und kleineren Events auf der Insel nicht nehmen lassen, ein paar (oder sehr viele) Raketen zu starten, und vor allem zu Silvester so richtig tief in die Tasche greifen.

Bereits ein paar Tage vor und viele Tage nach Silvester (genauer gesagt bis zum 6. Januar) hört und sieht man in Reykjavík zischende Raketen und bunte Lichter am Himmel. Im Jahr 2015 soll diese verrückte Nation mehr als 500 Tonnen an Munition in den Himmel geschossen und dabei mehrere Millionen Kronen ausgegeben haben! Das teuerste einzeln verkaufte Feuerwerk hat dabei anscheinend 76.900 ISK gekostet (mehr als 600 Euro): Es hat 84 Schüsse, dauert 40 Sekunden zum Abfeuern - und wurde „erstaunlich oft“ verkauft.

Das Silvester-Prozedere

Ein typischer Silvester-Abend verläuft in Island folgendermaßen: Man isst mit der gesamten Familie zu Hause festlich zu Abend. Es ist sehr untypisch, an Silvester in ein Restaurant zu gehen, so wie es zum Beispiel in Deutschland häufig gemacht wird. Als ich meinem Freund davon erzählt, guckte er mich nur sehr schief an - wie unfestlich, im Restaurant zu essen!

Im Anschluss treffen sich viele bei den Freudenfeuern (Lagerfeuern) der Stadt, die an vielen Orten errichtet werden. Hier kann man auch schon mal die eine oder andere Rakete starten.

Freudenfeuer in ReykjavikBild von: Silvester-Dinner in Perlan

Kurz nach der Lagerfeuer-Tradition folgt eine andere sehr ungewöhnliche: Die Straßen sind wie leergefegt, denn um 22:30 Uhr wird jährlich eine allseits beliebte TV-Comedy Show ausgestrahlt. Die Show namens „Áramótaskaup“ ist im Prinzip ein satirischer Jahresrückblick, wird seit 1966 ausgestrahlt, und von nahezu jedem Isländer verfolgt. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der die Show nicht sehen will oder gesehen hat, und jeder unterhält sich im neuen Jahr für ein paar Tage über die besten Sketsche und die generelle Qualität der diesjährigen Sendung.

Nach der Show wird es so langsam Zeit für das große Finale des Abends: das Feuerwerk. Hier legt sich jeder so richtig ins Zeug und die Stadt erstrahlt im Glanz der Lichter. Es gibt kein offizielles Feuerwerk in Reykjavík am 31.12., aber die Isländer brauchen das auch gar nicht...

Das Silvester-Fest in ReykjavikFoto von Regína Hrönn Ragnarsdóttir

Mehr über Silvester in Island erfahrt ihr auch hier.

Bis zum 06.01., dem letzten Weihnachtstag, werden die übrig gebliebenen Feuerwerkskörper noch fleißig in den Himmel befördert.

Andere Anlässe für Feuerwerk

Natürlich ist jeder Event ein potentieller Feuerwerks-Event - Geburtstage, Jahrestage, Firmenfeiern... Die größten Feuerwerke abgesehen von Silvester werden an der Gletscherlagune Jökulsárlón, bei der Kulturnacht in Reykjavík, dem Camping-Festival Þjóðhátíð auf der Insel Heimaey (alles bisher im August) und natürlich bei wichtigen Fußball-Siegen abgefeuert.

Ein weiteres größeres Feuerwerk abseits von Reykjavík gibt es beim Ljósanótt (Lichternacht)-Festival in Keflavík, das ebenso Ende August stattfindet.

Das Feuerwerk über der Gletscherlagune Jökulsárlón

Hier kannst du eine Tour zum Feuerwerk über Jökulsárlón und hier eine Silvester-Tour buchen.

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